Attraktive Ortskerne in der Energieregion
Das Ortszentrum ist die gute Stube einer Gemeinde – der Ort, an dem sich das Dorf trifft, Gäste empfängt und Gemeinschaft lebt. Um diese Rolle mit Leben zu füllen, braucht es einen öffentlichen Raum, der zum Verweilen einlädt und gleichzeitig allen Verkehrsteilnehmer:innen gerecht wird. Wie die Gestaltung einer solchen neuen Mitte gelingen kann, zeigt die Geschichte des Hittisauer Zentrums.
Das neue Dorfzentrum Hittisau
Seit 2021 verwandelte sich der Hittisauer Dorfplatz von Juni bis Oktober in einen einladenden Ort der Begegnung. Die überwiegend als Parkplatz genutzte Fläche in der Dorfmitte wurde temporär zum „Pop.up.Dorfplatz“ umgestaltet, einem Verweil-Platz mit hoher Aufenthaltsqualität. Rund um den zentralen Dorfbrunnen wurden Bäume und Büsche platziert, Sitzgelegenheiten und Wege luden zum Flanieren ein. Märkte, kleine Platzkonzerte und bunte Veranstaltungen füllten das Zentrum über mehrere Sommer mit quirligem Leben. Dafür wurde das Projekt „Pop.up.Dorfplatz“ vielfach gewürdigt und im November 2024 mit dem VN Klimaschutzpreis ausgezeichnet.

Gekommen, um zu bleiben: aus „Pop.up“ wird dauerhaft
Im September 2025 konnten schlussendlich die Arbeiten für eine dauerhafte Neugestaltung des Dorfplatzes beginnen. Heute ist der zentrale Bereich rund um den Dorfbrunnen dauerhaft entsiegelt und asphaltfrei gestaltet. Damit wurde der „Pop.up.Dorfplatz“ zu einer belebten Mitte für alle in Hittisau verstetigt.

Vorbildhafte Umsetzung der Baumaßnahmen: Bündelung in der Durchführung
Mit der Umgestaltung des Hittisauer Dorfplatzes konnte ein umfassendes Infrastrukturprojekt von Gemeinde, Landesstraßenbauamt und illwerke vkw umgesetzt werden. Durch eine zentrale Auftragsvergabe und der Verwendung einer gemeinsamen Planungsgrundlage konnten Kosten – zum Beispiel durch wiederholte Grabungsarbeiten – reduziert und Fördermittel leichter erschlossen werden. Insgesamt wurden folgende Maßnahmen umgesetzt:
- Ausbau des Glasfasernetzes durch illwerke vkw
- Sanierung der Landesstraße L5 durch das Landesstraßenbauamt
- energieeffiziente Erneuerung der Straßenbeleuchtung durch die Gemeinde und das Landesstraßenbauamt
- Sanierung der Kanäle und Erneuerung der Trinkwasserleitungen durch die Gemeinde
- Bau einer Transportleitung für den Trinkwasserverband Bregenzerwald
Dorfplatz-Gespräche: Wie stellen sich die Bürger:innen ihre „gute Stube“ vor?
Bereits 2020 fanden in mehreren Gemeinden „Dorfplatz-Gespräche“ statt. Im Gespräch mit ihren Bürger:innen wollten die Gemeinden herausfinden, welche Vorstellungen von der „guten Stube“ es gibt. Unter dem Motto „DA UND DORT, SCHÖNER ORT“ wurde das Verbindende in der Region in den Vordergrund gestellt: mal bin ich Fußgänger in meinem Dorf, mal bin ich PKW-Lenker, mal im eigenen Dorf, mal im Nachbardorf. Der jeweils damit verbundene Verhaltenskodex sollte positiv besetzt werden – quasi als Geschenk an die Menschen, die dort wohnen.
Gemeinsame Petition an das Land Vorarlberg 2020
Angepasste Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs und bauliche Maßnahmen im Ortskern sind wesentliche Eckpfeiler, dass dieses gute Miteinander funktionieren kann. Deshalb wandten sich die Vorderwälder Bürgermeister parallel zu den „Dorfplatz“-Gesprächen in einer gemeinsamen Petition ans Land Vorarlberg und forderten die möglichst rasche Umsetzung eines Leitfadens zur Geschwindigkeitsreduktion auf Landesstraßen in Ortszentren. Details zur Petition HIER.

Leitfaden „Verträgliche Verkehrsabwicklung auf Landesstraßen in Ortszentren“ 2021
Aufbauend auf den Festlegungen des Mobilitätskonzepts des Landes Vorarlberg von 2019, wurde im Jahr 2021 schließlich unter intensiver Einbindung von Expert:innen aus den betroffenen Fachbereichen und involvierten Institutionen der Leitfaden „Verträgliche Verkehrsabwicklung auf Landesstraßen in Ortszentren“ erarbeitet. Details dazu HIER.
Parkraum eng mit der Entwicklung attraktiver Ortszentren verbunden
Eng mit der Attraktivierung der Dorfzentren als gute Begegnungs- und Aufenthaltsorte ist auch die Frage verbunden, was mit den dort meist situierten Parkflächen passieren soll. Eine Parkraumanalyse über alle Gemeinden liefert hier eine Planungsbasis. Eine zeitliche Begrenzung der Parkdauer oder eine Parkraumbewirtschaftung wurden zwischen den Gemeinden diskutiert. Gemeinsame Grundprinzipien für die Region werden als Basis für individuelle Lösungen auf Gemeindeebene betrachtet.
Mit dem Bau einer Tiefgarage wurde ab November 2024 in Hittisau ein aktives Parkraummanagement eingeführt. Dadurch werden die zentralen Plätze im Dorf (wieder) attraktiv und zugänglich werden und Begegnung und Austausch ermöglichen.

